Die Riester-Rente hat schon bessere Tage gesehen. 2001 als grosser Wurf der Rentenreform eingeführt, sollte sie die Lücke schliessen, die durch die Kürzung der gesetzlichen Rente entstanden war. Über 16 Millionen Verträge wurden abgeschlossen. Aber inzwischen ruhen Millionen davon, die Kritik ist laut, und viele fragen sich: Lohnt sich Riestern überhaupt noch?
Die ehrliche Antwort: Für manche ja, für manche nein. In diesem Artikel rechnen wir durch, für wen sich die Riester-Rente 2025 noch lohnt — und für wen nicht.
Wie funktioniert die Riester-Rente?
Das Grundprinzip ist einfach: Sie sparen regelmässig in einen Riester-Vertrag ein, und der Staat unterstützt Sie dabei mit Zulagen und Steuervorteilen. Dafür bekommen Sie ab Renteneintritt eine lebenslange monatliche Rente ausgezahlt.
Die staatliche Förderung besteht aus zwei Säulen:
1. Zulagen:
- Grundzulage: 175 Euro pro Jahr
- Kinderzulage: 185 Euro pro Kind (geboren vor 2008) oder 300 Euro pro Kind (geboren ab 2008)
Um die volle Zulage zu bekommen, müssen Sie mindestens 4 Prozent Ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen — abzüglich der Zulagen. Der Höchstbetrag liegt bei 2.100 Euro pro Jahr (Eigenbeitrag plus Zulagen). Der Mindestbeitrag beträgt 60 Euro pro Jahr.
2. Sonderausgabenabzug:
Ihre Riester-Beiträge (Eigenbeitrag plus Zulagen) können Sie bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben in der Steuererklärung absetzen. Das Finanzamt prüft dann automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug für Sie günstiger ist (Günstigerprüfung).
Berechnen Sie Ihre persönliche Förderung mit unserem Riester-Rechner.
Für wen lohnt sich die Riester-Rente?
Die Riester-Rente lohnt sich am meisten für bestimmte Gruppen:
Familien mit Kindern: Hier ist die Förderung am stärksten. Eine Familie mit zwei Kindern (geboren ab 2008) bekommt allein an Zulagen 175 + 175 + 300 + 300 = 950 Euro pro Jahr vom Staat. Bei einem Einkommen von 30.000 Euro müsste der Eigenbeitrag nur 250 Euro pro Jahr betragen, um die vollen Zulagen zu kassieren. Das ist eine Rendite, die kein Bankprodukt schlägt.
Geringverdiener: Wer wenig verdient, muss wenig einzahlen und bekommt trotzdem die volle Zulage. Mit dem Mindestbeitrag von 60 Euro pro Jahr sichern Sie sich mindestens 175 Euro Grundzulage — eine Rendite von fast 300 Prozent.
Gutverdiener: Wer einen hohen Steuersatz hat, profitiert vor allem vom Sonderausgabenabzug. Bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent und dem Höchstbeitrag von 2.100 Euro ergibt sich eine Steuerersparnis von bis zu 882 Euro (abzüglich der Zulagen, die darauf angerechnet werden).
Für wen lohnt sich die Riester-Rente eher nicht?
Singles ohne Kinder mit mittlerem Einkommen: Hier ist die Förderung relativ gering. Die Grundzulage von 175 Euro ist nett, aber die oft hohen Kosten der Verträge können den Vorteil auffressen. Wenn Sie einen teuren Versicherungsvertrag mit Abschlusskosten und laufenden Gebühren haben, bleibt von der Förderung wenig übrig.
Selbständige: Nur mittelbar zulagenberechtigte Selbständige (z.B. über einen riesterberechtigten Ehepartner) können riestern. Direkt zulagenberechtigt sind in der Regel nur Personen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Wer flexibel bleiben will: Die Riester-Rente ist ein sehr unflexibles Produkt. Das Geld ist bis zum Renteneintritt gebunden (Ausnahme: Wohn-Riester). Vorzeitige Kündigung bedeutet Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile — ein teurer Spass.
Die grösste Kritik: Hohe Kosten
Viele Riester-Verträge — besonders klassische Rentenversicherungen — haben hohe Kosten: Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Fondsgebühren. Diese Kosten können die staatliche Förderung teilweise oder sogar vollständig auffressen.
Deshalb ist die Wahl des richtigen Produkts entscheidend. Günstige Riester-Fondssparpläne oder Riester-Banksparpläne schneiden in der Regel deutlich besser ab als teure Versicherungsprodukte. Wenn Sie bereits einen Riester-Vertrag haben, lohnt sich ein Kostencheck.
Die Zukunft der Riester-Rente
Die Politik diskutiert seit Jahren über eine Reform der Riester-Rente. Es gibt verschiedene Vorschläge — von einer Vereinfachung über einen Standardprodukt bis hin zur kompletten Abschaffung und Ersetzung durch ein neues System. Bisher ist aber noch nichts beschlossen. Bestehende Verträge bleiben in jedem Fall bestehen und werden weiter gefördert.
Wer heute einen neuen Riester-Vertrag abschliesst, sollte sich genau informieren und auf niedrige Kosten achten. Oder alternativ über andere Formen der Altersvorsorge nachdenken — etwa eine betriebliche Altersvorsorge, eine Rürup-Rente (besonders für Selbständige) oder ein eigenes Aktien- bzw. ETF-Depot.
Riester-Rente und Steuern: Was passiert in der Auszahlungsphase?
Ein wichtiger Punkt, den viele vergessen: Die Riester-Rente wird im Alter voll besteuert. Da Sie die Beiträge in der Ansparphase steuerlich absetzen konnten, verlangt das Finanzamt in der Auszahlungsphase die Steuer zurück. Die Rentenleistungen unterliegen dem persönlichen Einkommensteuersatz — der im Alter aber in der Regel deutlich niedriger ist als im Erwerbsleben.
Ausserdem werden auf die Riester-Rente im Alter Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig (für gesetzlich Versicherte). Auch das schmälert die Auszahlung. Nutzen Sie unseren Rentenrechner, um Ihre voraussichtliche Gesamtrente (gesetzlich + privat) zu berechnen.
Praktischer Tipp: Den Zulagenantrag nicht vergessen
Viele Riester-Sparer verschenken jedes Jahr Geld, weil sie den Zulagenantrag nicht stellen. Am besten richten Sie einen Dauerzulagenantrag ein — dann wird die Zulage automatisch jedes Jahr beantragt. Ausserdem sollten Sie Ihre Einkommensverhältnisse regelmässig aktualisieren, damit der Eigenbeitrag stimmt und Sie die volle Zulage erhalten.
Fazit: Rechnen lohnt sich
Die Riester-Rente ist kein Selbstläufer. Ob sie sich für Sie lohnt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab — Einkommen, Familienstand, Kinderzahl, Steuersatz und Vertragskondition. Pauschalurteile helfen nicht weiter.
Unser Rat: Rechnen Sie durch, was für Sie drin ist. Nutzen Sie unseren Riester-Rechner, um Zulagen und Steuerersparnisse zu berechnen. Und vergleichen Sie das Ergebnis mit alternativen Anlageformen. So treffen Sie eine fundierte Entscheidung für Ihre Altersvorsorge.
Ihren aktuellen Steuersatz und Ihr Nettoeinkommen finden Sie übrigens jederzeit in unserem Gehaltsrechner.